Wenn die Alarmglocke mitten in der Nacht losgeht, entscheidet sich innerhalb von Sekunden, ob wir den Vorfall kontrolliert abarbeiten oder in hektische Flickschusterei abrutschen. CRM ist für mich die Hand am Steuer: Lean gibt Kurs, Agile bringt Tempo — CRM sorgt dafür, dass wir beides unter Druck tragen können.
Es beginnt mit Verantwortung, die man beim Namen nennt. Jede Woche hat einen Lead Engineer — rund um die Uhr. Wenn etwas kritisches passiert, übernimmt diese Person die Führung. Kein „irgendwer“: ein Name, ein Mandat.
Das erste Ritual im Arbeitsstab ist das Kurzbriefing: 3–5 Minuten. Lage, wichtigste Annahme, Sofortmaßnahme, wer macht was bis wann. Keine langen Diskussionen, sondern eine geteilte Ausgangslage. Danach gilt Closed-Loop: Anweisung → Bestätigung → Rückmeldung. So wissen alle, wer was getan hat und warum.
Nix is fix!
Fixierungsfehler verhindern wir bewusst: Ideen sind Hypothesen — wer eine Maßnahme vorschlägt, benennt auch, wie sie scheitern kann. Kurz vor Umsetzung fragen wir im Premortem: „Was könnte diese Aktion innerhalb von 30 Minuten scheitern lassen?“ Alle im Arbeitsstab sprechen Klartext, bringen Kontrathesen, quetschen Vorschläge durch. Kritische Schritte werden im 2-Augen-Prinzip freigegeben. Und bevor wir sperren oder große Eingriffe starten, holt der Lead präventiv Fachbeauftragte, Betriebszentrale oder Systemlieferanten hinzu.
STOP und durchatmen
10-für-10-Prinzip (Stop-and-Think):
Kurz innehalten — 10 Sekunden, um die nächsten 10 Minuten zu planen. Der Lead signalisiert die Pause, alle klären kurz Namen, Aufgabe und erwartete Folge, dann wird die Maßnahme timeboxed gestartet. Dieser kleine Stopp verhindert Fixierung auf die erste Idee und sorgt dafür, dass schnelle Aktionen kontrolliert, koordiniert und risikobewusst ausgeführt werden.
Infobox — Grundsätze (Kurz)
Namentliche Zuständigkeit: Lead Engineer 24/7. Kurzbriefing (3–5 Min): Lage, Annahme, Sofortmaßnahme, Owner, Deadline. Closed-Loop: klare Ansagen + Bestätigung. Hypothesen statt Gewissheiten: Annahmen kennzeichnen. Premortem: kurz vor Maßnahme: „Was kann das innerhalb 30 Min scheitern lassen?“ Peer-Challenge & 2-Augen-Prinzip: Gegenhypothesen erzwingen, kritische Freigaben doppelt prüfen. 10 Sek. für 10: rasche Ressourcenabfrage mit Namen + Konsequenz. 30-Min-Post-Mortem: sofort, blame-free, Sofortmaßnahme + Owner.
Nach Stabilisierung folgen 30 Minuten Post-Mortem, blame-free: Was ist passiert? Warum? Welche Sofortmaßnahme? Wer macht was bis wann? Das Gelernte wird sofort in die Abläufe eingespeist — nicht in einen Ordner.
Infobox — Tools & Templates (Praktisch)
Kurzbriefing-Agenda (Vorlage): Zeit, Top-Risiko, Annahme, Maßnahme, Owner, Deadline. Deviation-Formular (Live-Dokument): Was / Risiko / Sofortmaßnahme / Owner / Frist. 30-Min-Post-Mortem-Template: Facts / Ursachen / Sofortmaßnahme / Verantwortliche / Lessons. Peer-Check-Liste: Checkpunkte für kritische Eingriffe (Safety, Tools, Rückfalloption). „10s für 10“-Script: Lead-Frage + max. 10s-Antwort pro Person. Single Info-Hub: ein Kanal/Dashboard als zentrale Quelle (kein Verteilerchaos). Time-boxing Timer: kurze, sichtbare Deadlines (z. B. 20-min, 60-min). Kontaktliste: Fachbeauftragte, Betriebszentrale, Lieferanten — mit klaren Rollen.
Lean und Agile bleiben unser Kompass — CRM sind die Muskeln, die uns unter Druck bewegen lassen, ohne neue Risiken zu schaffen.

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