Digitalisierung 2025+: Wo sie wirkt – und wo wir uns nichts vormachen sollten

Wenn ich auf meinen ersten Jetpack-Post 2017 zurückblicke, sehe ich viel Aufbruch und viel Hoffnung. Digitalisierung war neu, verheißungsvoll, fast ein Selbstläufer.
Heute ist sie Alltag. Und genau darin liegt das Problem.

Die Tools sind da. Die Rechenleistung auch.
Aber der Hebel liegt nicht mehr in Technologie, sondern darin, wo wir sie einsetzen.

Aus Sicht eines InfraManagers ist die Frage heute nicht:

Was ist möglich?
sondern:
Was verändert unseren Alltag spürbar?

Wo KI wirklich disruptiv wirkt

  1. Controlling: vom Bericht zum Gespräch
    Heute:
    • Monatsberichte werden zusammengestellt
    • Abweichungen erklärt, wenn es zu spät ist

Mit KI:
• automatische Plausibilisierung von Zahlen
• Frühwarnungen bei Musterbrüchen
• Szenarien: Was passiert, wenn…?

Der Mehrwert liegt nicht im hübscheren Report,
sondern darin, dass Führung früher entscheiden kann – nicht nur reagieren.

  1. HR: Entlastung statt Ersatz
    HR wird nicht „automatisiert“, aber massiv unterstützt:
    • Vorstrukturierung von Stellenausschreibungen
    • Vergleich von Qualifikationsprofilen
    • systematische Auswertung von Feedback, Fluktuation, Belastung

Das verändert HR nicht technisch, sondern inhaltlich:
Weg von Administration – hin zu echter Organisationsarbeit.

  1. Prüfpflichten & Compliance: weniger Angst, mehr Sicherheit
    Ein heißes Eisen – aber mit enormem Potenzial.

KI kann:
• Prüfpflichten strukturieren und aktuell halten
• Führungskräfte aktiv erinnern
• Dokumentation vorbereiten und nachvollziehbar ablegen

Das Ergebnis ist nicht „mehr Kontrolle“, sondern:

weniger Lücken, weniger Zufall, weniger persönliches Risiko.

Compliance wird dadurch leiser, aber wirksamer.

  1. Konzept- und Strategiearbeit: Denken beschleunigen
    KI ersetzt keine Strategie.
    Aber sie beschleunigt das Denken:
    • strukturierte Aufbereitung von Varianten
    • Zusammenfassung komplexer Inputs
    • Konsistenzprüfungen über Dokumente hinweg

Strategiefortschreibung wird dadurch iterativer – weniger PowerPoint, mehr Substanz.

Das derzeit heißeste Feld: Bauwirtschaft

Hier liegt aus meiner Sicht das größte, noch kaum gehobene Potenzial.

Konkrete Anwendungsfälle:
• Prüfung von Leistungsbeschreibungen (LB/LV)
• Abgleich von Plänen, Texten und Verträgen
• Erkennen von Widersprüchen, Unschärfen, Risiken
• Unterstützung bei Nachtrags- und Claim-Bewertung

Das ist hochgradig repetitiv, teuer und fehleranfällig –
also ideal für KI-gestützte Assistenz.

➡️ Was hier fehlt, sind Demonstratoren.
➡️ Am besten branchenübergreifend und kooperativ, statt jeder für sich im stillen Kämmerlein.

Weniger „hot“ als gedacht: BIM

BIM wird bleiben – aber der große Durchbruch lässt auf sich warten.

Warum?
• Im Bestand fehlen saubere Prozesse nach dem Neubau
• Modelle werden nicht gepflegt
• Der Nutzen für Betrieb und Instandhaltung bleibt oft theoretisch

Solange BIM nicht in den Lebenszyklus integriert ist, bleibt es ein Planungstool – kein Managementinstrument. Was wurde übrigens aus …

Blockchain war lange ein Hype-Thema. Für unsere Kernprobleme (Stabilität, Nachvollziehbarkeit, Effizienz, Prüfpflichten) liefert sie in der Praxis selten den besten ROI. Ich fokussiere daher auf KI-gestützte Automatisierung, Datenqualität und robuste End-to-End-Prozesse.

Ich sehe daher extremes Potenzial bei integrierten Instandhaltungs- und Investitionsentscheidungen

Der für mich spannendste Hebel liegt hier:

Aufbereitung von Zustands- und Wirkungsdaten, sodass echte Entscheidungen möglich werden:
• Wo bringt ein Euro die größte Zustandsverbesserung?
• Welche Maßnahme erhöht Verfügbarkeit und Kundenzufriedenheit?
• Welche Investition senkt langfristig Risiko und Kosten?

Das ist der Punkt, an dem Digitalisierung wirtschaftlich und gesellschaftlich relevant wird.

Nicht mehr nur: Was ist technisch möglich?
Sondern: Was wirkt – für Anlagen, Betrieb und Kunden?

Fazit

Digitalisierung ist 2025 keine Vision mehr.
Sie ist ein Werkzeug zur Stabilisierung komplexer Systeme.

Wer KI nutzt, um wiederholbare Arbeit besser zu machen,
gewinnt:
• Zeit
• Übersicht
• Entscheidungsfähigkeit

Und genau das brauchen Infrastrukturen heute am dringendsten.

Meine Frage an euch:
👉 Wo würdet ihr morgen anfangen, wenn ihr einen Demonstrator bauen dürftet – ohne PowerPoint, nur mit realem Nutzen?