Wenn ich auf meinen ersten Jetpack-Post 2017 zurückblicke, sehe ich viel Aufbruch und viel Hoffnung. Digitalisierung war neu, verheißungsvoll, fast ein Selbstläufer.
Heute ist sie Alltag. Und genau darin liegt das Problem.
Die Tools sind da. Die Rechenleistung auch.
Aber der Hebel liegt nicht mehr in Technologie, sondern darin, wo wir sie einsetzen.
Aus Sicht eines InfraManagers ist die Frage heute nicht:
Was ist möglich?
sondern:
Was verändert unseren Alltag spürbar?
Wo KI wirklich disruptiv wirkt
- Controlling: vom Bericht zum Gespräch
Heute:
• Monatsberichte werden zusammengestellt
• Abweichungen erklärt, wenn es zu spät ist
Mit KI:
• automatische Plausibilisierung von Zahlen
• Frühwarnungen bei Musterbrüchen
• Szenarien: Was passiert, wenn…?
Der Mehrwert liegt nicht im hübscheren Report,
sondern darin, dass Führung früher entscheiden kann – nicht nur reagieren.
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- HR: Entlastung statt Ersatz
HR wird nicht „automatisiert“, aber massiv unterstützt:
• Vorstrukturierung von Stellenausschreibungen
• Vergleich von Qualifikationsprofilen
• systematische Auswertung von Feedback, Fluktuation, Belastung
Das verändert HR nicht technisch, sondern inhaltlich:
Weg von Administration – hin zu echter Organisationsarbeit.
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- Prüfpflichten & Compliance: weniger Angst, mehr Sicherheit
Ein heißes Eisen – aber mit enormem Potenzial.
KI kann:
• Prüfpflichten strukturieren und aktuell halten
• Führungskräfte aktiv erinnern
• Dokumentation vorbereiten und nachvollziehbar ablegen
Das Ergebnis ist nicht „mehr Kontrolle“, sondern:
weniger Lücken, weniger Zufall, weniger persönliches Risiko.
Compliance wird dadurch leiser, aber wirksamer.
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- Konzept- und Strategiearbeit: Denken beschleunigen
KI ersetzt keine Strategie.
Aber sie beschleunigt das Denken:
• strukturierte Aufbereitung von Varianten
• Zusammenfassung komplexer Inputs
• Konsistenzprüfungen über Dokumente hinweg
Strategiefortschreibung wird dadurch iterativer – weniger PowerPoint, mehr Substanz.
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Das derzeit heißeste Feld: Bauwirtschaft
Hier liegt aus meiner Sicht das größte, noch kaum gehobene Potenzial.
Konkrete Anwendungsfälle:
• Prüfung von Leistungsbeschreibungen (LB/LV)
• Abgleich von Plänen, Texten und Verträgen
• Erkennen von Widersprüchen, Unschärfen, Risiken
• Unterstützung bei Nachtrags- und Claim-Bewertung
Das ist hochgradig repetitiv, teuer und fehleranfällig –
also ideal für KI-gestützte Assistenz.
➡️ Was hier fehlt, sind Demonstratoren.
➡️ Am besten branchenübergreifend und kooperativ, statt jeder für sich im stillen Kämmerlein.
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Weniger „hot“ als gedacht: BIM
BIM wird bleiben – aber der große Durchbruch lässt auf sich warten.
Warum?
• Im Bestand fehlen saubere Prozesse nach dem Neubau
• Modelle werden nicht gepflegt
• Der Nutzen für Betrieb und Instandhaltung bleibt oft theoretisch
Solange BIM nicht in den Lebenszyklus integriert ist, bleibt es ein Planungstool – kein Managementinstrument. Was wurde übrigens aus …
Ich sehe daher extremes Potenzial bei integrierten Instandhaltungs- und Investitionsentscheidungen
Der für mich spannendste Hebel liegt hier:
Aufbereitung von Zustands- und Wirkungsdaten, sodass echte Entscheidungen möglich werden:
• Wo bringt ein Euro die größte Zustandsverbesserung?
• Welche Maßnahme erhöht Verfügbarkeit und Kundenzufriedenheit?
• Welche Investition senkt langfristig Risiko und Kosten?
Das ist der Punkt, an dem Digitalisierung wirtschaftlich und gesellschaftlich relevant wird.
Nicht mehr nur: Was ist technisch möglich?
Sondern: Was wirkt – für Anlagen, Betrieb und Kunden?
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Fazit
Digitalisierung ist 2025 keine Vision mehr.
Sie ist ein Werkzeug zur Stabilisierung komplexer Systeme.
Wer KI nutzt, um wiederholbare Arbeit besser zu machen,
gewinnt:
• Zeit
• Übersicht
• Entscheidungsfähigkeit
Und genau das brauchen Infrastrukturen heute am dringendsten.
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Meine Frage an euch:
👉 Wo würdet ihr morgen anfangen, wenn ihr einen Demonstrator bauen dürftet – ohne PowerPoint, nur mit realem Nutzen?
